PFLOPF

Pflanzenschutzoptimierung mit Precision Farming

Überblick

Sieben Massnahmen zur Auswahl

Die Betriebe wählen mindestens zwei der sieben unten beschriebenen Massnahmen aus. Für die Umsetzung der gewählten Massnahmen bekommen die teilnehmenden Betriebe in den ersten sechs Jahren von 2019 bis 2024 jährliche flächenbezogene Beiträge sowie einen Grundbeitrag. In den letzten zwei Jahren von 2025 bis 2026 wird die Massnahmenumsetzung auf freiwilliger Basis fortgeführt und damit das langfristige Wirkungsmonitoring unterstützt.


Flexible Massnahmen-Umsetzung

Die flächenbezogenen Teilnahmebeiträge ermöglichen den Betrieben eine flexible Massnahmenumsetzung, sei es mit bestehender Eigenmechanisierung, neu angeschafften Geräten, oder über den Lohnunternehmer. So kann jeder und jede, egal ob mehr oder weniger technologieinteressiert, Massnahmen umsetzen und mit der Nutzung von Precision-Farming-Technologien zu einer Optimierung des Pflanzenschutzes und Reduktion der Ausbringmengen beitragen.
Unter Massnahmen - Lohnunternehmer sind die Lohnunternehmer aufgeführt, die im Projektgebiet entsprechende Dienstleistungen anbieten, und unter Massnahmen - Landtechnikhändler sind die Firmen aufgelistet, die entsprechende Precision-Farming-Technologien im Angebot haben.


Pilotmassnahmen

Drei der sieben Massnahmen werden als sogenannte Pilotmassnahmen durchgeführt, weil sie entweder besonders beratungsintensiv sind oder die Technologien noch nicht lange am Markt verfügbar sind und eine enge Betreuung der Betriebe sichergestellt werden muss.
1. Betriebsspezifische Prognosedaten und Behandlungsempfehlungen
6. Roboterbasierte alternative Beikrautregulierung im Obstbau und Rebbau
7. Drohneneinsatz zur Ausnutzung optimaler Behandlungszeitfenster und Abdriftreduktion im Reb- und Obstbau
In diesen Massnahmen läuft die Technologiebereitstellung über das Projekt und nicht über die Lohnunternehmer oder Landtechnikhändler.

 

Massnahme 1: Betriebsspezifische Prognosedaten und Behandlungsempfehlungen

Von den kantonalen Pflanzenschutzberatungen wird eine konsequente Nutzung der Pflanzenschutzbulletins als eine der wirksamsten Möglichkeiten überhaupt zur Optimierung und Reduktion der Fungizid- und Insektizidbehandlungen angesehen. Es wird geschätzt, dass bei gleichbleibendem Ertragsniveau und Schutz etwa 15 Prozent dieser Behandlungen eingespart werden können. Im Projekt wird eine technologisch weiterentwickelte Variante der Pflanzenschutzbulletins eingesetzt. Die Betriebe bekommen über einen elektronischen Kommunikationskanal (Internet, App, E-Mail) ein Pflanzenschutzbulletin mit betriebsspezifischen Prognosedaten und Behandlungsempfehlungen. Bei Bedarf  werden vor Ort Wetterstationen, Bodenfeuchtesensoren oder Schädlingsfallen installiert sowie satelliten- bzw. drohnenbasierte Pflanzenbestandsaufnahmen verwendet, um die Empfehlungen zu verbessern. Auf dem Feld gehen die Betriebe nach dem Pflanzenschutzbulletin vor. Sie bestimmen Befallsschwellen, melden diese elektronisch an die Pflanzenschutzberatung zurück, nehmen bei Unsicherheiten mit der Pflanzenschutzberatung Kontakt auf und führen die Pflanzenschutzbehandlung entsprechend durch. Zur Bestimmung der erforderlichen Mittelmenge werden Spritzmittelrechner und Düsenapps genutzt.

Massnahme 2: Satellitenbasierte (GPS-) Lenksysteme zur Minimierung der Fahrgassenüberlappung

In Acker- und Gemüsekulturen werden Saat und Pflanzung mit hochpräzisen GPS-Lenksystemen (+/- 2.5 cm) durchgeführt und die Pflegefahrgassen exakt im Abstand der Arbeitsbreite des Pflanzenschutzgerätes angelegt. Bei Pflanzenschutzmassnahmen kann auch ohne GPS-Lenksystem präzise, ohne Überlappungen zwischen den Reihen gefahren werden. Einerseits können dadurch durchschnittlich drei Prozent Pflanzenschutzmittel eingespart werden. Andererseits erlauben die gerade angelegten Pflanzenreihen einen hinsichtlich Flächenleistung und Verschüttungswirkung effizienteren Einsatz von nachfolgenden mechanischen Hackgeräten.

Massnahme 3: GPS-gesteuerte Pflanzenschutzgeräte mit Teilbreiten- oder Einzeldüsenschaltung

Mit einem Pflanzenschutzgerät mit GPS-gesteuerter Teilbreiten- oder Einzeldüsenschaltung werden Überlappungen im Vorgewende und Randbereich minimiert. Abhängig von der Schlagform ist eine Einsparung von 1-4 % möglich - eine kleine Einsparung mit grosser Wirkung: Einerseits lassen sich unerwünschte Austräge von Pflanzenschutzmitteln im Bereich von Wegen vermeiden, andererseits lassen sich nicht zu behandelnde Flächen innerhalb der Parzelle wie Schächte etc. gezielt aussparen.

Massnahme 4: Bewuchsspezifische Applikation von Pflanzenschutzmitteln mit Sensortechnik

Der Einsatz von Herbiziden erfolgt heute ganzflächig ohne Berücksichtigung der tatsächlichen Verunkrautung. Mit der Nutzung von Sensoren, die auf den Feldern den Pflanzenbewuchs erkennen und nur dort Pflanzenschutzmittel ausbringen, kann die Menge drastisch reduziert werden: Bei mittlerer Verunkrautung können geschätzt bis zu 50 Prozent Ausbringmenge eingespart werden. Es gibt zum einen Sensoren zum Anbau an das Pflanzenschutzgerät und zum anderen mit Drohnen erhobene Pflanzenbestandskarten, die mit einem GPS-gesteuerten Pflanzenschutzgerät  abgearbeitet werden.

Massnahme 5: Sensorgesteuerte alternative Unkrautregulierung im Acker- und Gemüsebau

In Reihenkulturen im Acker- und Gemüsebau werden durch GPS oder Kameras gesteuerte Geräte für die alternative Beikrautregulierung eingesetzt. Es stehen verschiedene Varianten zur Verfügung:

  • Geradlinige Aussaat der Reihenkulturen und nachfolgendes Hacken mit GPS-gelenktem Traktor
  • Sensorgesteuertes Hacken zwischen den Reihen mit Kamera-, Ultraschall- oder GPS-Steuerungen
  • Sensorgesteuertes Hacken auch zwischen den Pflanzen innerhalb der Reihe mit Kamerasteuerungen, vor allem im Gemüse, aber auch Mais und Zuckerrüben

Massnahme 6: Roboterbasierte alternative Beikrautregulierung im Obstbau und Rebbau

In Dauerkulturen im Obst- und Rebbau wird die herbizidfreien Beikrautregulierung mit Mulchgeräten und Unterstockräumern aufgrund des hohen Arbeitszeitaufwandes nicht sooft angewandt, wie von den Betrieben gewünscht. Für eine autonome Arbeitsausführung mit Sensoren und Aktoren ausgerüstete Fahrzeuge lösen das arbeitswirtschaftliche Problem und ermöglichen die effizientere Umsetzung herbizidfreier Verfahren.

Massnahme 7: Drohneneinsatz zur Ausnutzung optimaler Behandlungszeitfenster und Abdriftreduktion im Reb- und Obstbau

Die Pflanzenschutzbehandlung ist in Rebbau-Steillagen mit herkömmlichen Weinbautraktoren zum Teil  nicht möglich. Bei feuchten Böden sind die Steillagen teilweise nicht befahrbar, was eine Ausnutzung des optimalen Zeitfensters für eine Behandlung erschwert bzw. verunmöglicht. Auch grossflächige Behandlungen mit Helikoptern lassen sich nicht immer zum optimalen Behandlungszeitpunkt durchführen und haben zudem das Problem hoher Abdriftraten. Diese sind auch bei der Pflanzenschutzbehandlung in Hochstamm-Obstbau-Anlagen eine grosse Herausforderung. Mit dem Einsatz von Drohnen werden in Rebbau-Steillagen und Hochstamm-Obstbau-Anlagen die Behandlungen  zum optimalen Zeitpunkt und mit reduzierter Abdrift  durchgeführt.